Paulina’s Kolumne

Hallo und herzlich willkommen,

Endlich gibt´s den langersehnten Startschuss und ich darf euch herzlich begrüßen zu dieser Kolumne, der ich seit Monaten entgegenfiebere.
Auf diesem Fleckchen Internet haben du und ich Platz bekommen, weil wir es uns gemütlich machen und über etwas Wichtiges sprechen wollen.
Ich fasse mich kurz- es geht ums LEBEN

Anfangs habe ich an eine Krebs-Kolumne gedacht, aber als ich nochmals in mich ging, stellte ich fest, dass das eigentlich nicht richtig ist.
Es soll um das Leben gehen, unser aller Leben.
Ob an Krebs erkrankt, gesund, interessiert, verliebt, neugierig, schüchtern, laut oder leise, verwandt oder verschwägert:
Es geht immer um das Leben, denn es ist der Wunsch danach, der uns verbindet.

Wer schreibt euch hier eigentlich?

Bevor ich mit der Tür ins Haus falle und wir über uns über unsere äußeren Geschlechtsmerkmale unterhalten stelle ich mich mal ganz kurz vor:
Mein Name ist Paulina Ellerbrock, ich bin 32 Jahre alt und wohne zusammen mit meinem Mann und meinem Sohn in Hamburg.
Es gehörte nie zu meinen Lebensplänen öffentlich über Krebs zu sprechen.
Ich hatte mehr so etwas wie die Weltherrschaft im Sinn, was- wie ihr seht super geklappt hat.
Hauptberuflich arbeite ich jetzt im sozialen Bereich, habe einen Schrebergarten, und lebe rund um mein persönliches Bullerbü, ein kaum erwähnenswertes Leben einer jungen Frau.
Kaum erwähnenswert, aber sehr glücklich (unter Umständen auch ein kleines bisschen spießig).

Ende 2017 bin ich an Brustkrebs erkrankt, 2018 nochmal.
Inzwischen habe ich keinen Krebs mehr, leider auch keine Brüste, aber den unglaublichen Wunsch immer weiter darüber zu sprechen und Tabus und Vorurteile zu brechen.
Ich möchte nicht nur meine Erfahrungen teilen, sondern uns allen die Gelegenheit geben uns auszutauschen.

Lasst uns doch mit dieser Kolumne eine Plattform schaffen, in dem wie die völlig festgefahrenen Grundsätze mal unbeachtet lassen, in Frage stellen, aufklären, informieren und dem Krebs eine Stimme geben.
Ob es Brüste sind, Blut-, Knochen-, Eierstöcke-, Lunge-, Magen-, oder Darmkrebs.
Lasst uns doch mal Tabus brechen.
Wenn niemand darüber spricht, dann bleibt Krebs eine modellhafte Skizze in einem grauen Ärztefachbuch, oder eine fürchterliche Szene in einem traurigen Film.
Triste Theorie, die durch die überspitzte Darstellung von Regisseuren uns Erkrankten und Angehörigen jede Hoffnung raubt.

Ich weiß, wir können das: Offenheit, Wahrheit, Wissensdurst.
Sind das nicht Attribute, die uns ausmachen? Unsere Generation?

 

Und genau deshalb können wir

über KREBS sprechen, ohne wegzuschauen.
Über AUFKLÄRUNG, ohne rot zu werden.
Über LEBENSLUST, ohne neidisch zu sein.
Über ABSCHIED, ohne zu schweigen.
Über KONFLIKTE, ohne zu streiten.

Und auch über BRÜSTE sprechen, ohne Scham.

Vielleicht müssen wir hin und wieder eine Komfortzone verlassen und über Grenzen gehen,
aber wisst ihr was?
Wir haben schon ganz andere Dinge geschafft und gehen es an.

Zurück zum Anfang:
Ja, wir werden über Krebs sprechen, weil er- mit all seinen Facetten- zum Leben dazugehört.
Das Leben ist lebenswert und kein Krebs der Welt kann daran rütteln.

Erzähl mir doch mal, was das Leben für dich lebenswert macht und nächstes Mal schreiben wir darüber.

Ich bin neugierig und freue mich wahnsinnig auf euch!

 

3 Comments
  • Jenny Markmann

    Juli 9, 2019at7:02 pm Antworten

    Liebe Paulina,
    ich freue mich, dass du den Blog dem Leben widmest. Ich bin Anfang 40 und seit 1 Jahr an Brustkrebs erkrankt und habe noch einen langen Weg vor mir, da ich noch viele Meta-Monster aus meinem Körper vertreiben muss.
    Ich habe selbst keine Kinder ABER ich bin kurz vor der Diagnose Patentante der kleinen Sophia, meiner einzigen Nichte, geworden. Und ich liebe mein Leben auch deswegen, weil ich der kleinen Maus eine liebevolle, lebensfrohe Tante mit ganz viel Energie und Mut sein möchte. Sie soll sich genau an diese Eigenschaften erinnern, wenn ich mal nicht mehr da bin. Daher nutze ich meine freie Zeit an den guten Tagen für gemeinsames unkontrolliertes Spielen, verrücktes Tanzen, sinnloses Rumalbern und ganz viel Vorbildsein in Sachen Humor und Lebendigkeit. Und Sophia LIEBT es…und ihre Dande (sie kann nur Dante sagen, nicht Jenny). Das Leben ist so wertvoll und will gelebt werden.

  • Bettina Funk

    Juli 9, 2019at9:18 pm Antworten

    Huhu Paulina,

    dass das mit der Weltherrschaft nicht ganz geklappt hat liegt auch ein Stück weit daran, dass das auch mein Plan war.
    Ich „kenne“ Dich schon ein Weilchen durch Instagram und verfolge dort Deine unermüdliche Tätigkeit. Du bist mir sehr sympathisch und ich mag Deine Art zu schreiben und zu erzählen sehr.
    Bevor ich jetzt aber über mich weiterschreibe, damit auch Du die Gelegenheit hast, mich ein bisschen kennen zu lernen, muss ich sagen, dass ich gerade in Deiner Kolumne über den Ausdruck „unsere Generation“ gestolpert bin und mich schlagartig nicht mehr willkommen gefühlt habe.
    Eigentlich habe ich mir bis gerade eben noch nie die Frage gestellt, ob wir beide einer Generation angehören, und ich stelle just mit Erschrecken fest, dass ich mit 51 ja wirklich Deine Mutter sein könnte, obschon ich mich (bis gerade) eigentlich nicht so gefühlt habe.
    Bevor ich also hier ins uferlose verfalle und Dich zutexte, sollten wir schon klären, ob Ihr jungen Menschen „unter Euch“ bleiben wollt oder ob ich mich auch weiterhin von Dir angesprochen fühlen darf, denn das tat ich bislang.
    Ich würde mich freuen, wenn Du die Zeit findest mir zu antworten und schicke Dir beste Grüße nach Hamburg

    Bettsy
    (möglicherweise bin ich Dir auf Insta unter bettsyblue67 ein Begriff?)

  • Karin Maaßen

    Juli 10, 2019at7:23 am Antworten

    Hallo, ein tollerText! Krebs ist bei mir schon sehr lange ein Thema. Seit 92 arbeite ich als Krankenschwester im Op, mein Mann hat auf einer onkologischen Station gearbeitet. 2006 erkrankte unser Sohn an Leukämie ( heute ist er 16 und es geht ihm gut) Nov 2016 erkrankte mein Vater an Lungenkrebs und starb darar im Feb17, im April17 entdeckte ich einen Tumor in meiner re Brust( Mastektomie mit Expander Lk Entfernung 5 von 15 betroffen, li Verkleinerung, Chemo Bestrahlung, Reha) Dann habe ich 10 Monate gearbeitet und bekam Januar 19 die Diagnose Krebs li Auge. Auge wurde entfernt, nach 4 Ops bin ich seit letzter Woche aus der Reha zurück und fange Ende des Monats mit Wiedereingliederung an.
    Ich weiß also, wovon du sprichst, wenn du von Leben sprichst. Auch der Podcast 2 Frauen 2 Brüste gefällt mir sehr gut!!!

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