Wollen wir wirklich Angst machen?

Über Krebs zu sprechen ist wie ein Drahtseilakt:
Ich habe nämlich oft das Gefühl, das Menschen wissen möchten, wie es ist, wenn man versucht sein Leben nach einer Diagnose zu ordnen, damit zu leben und was man tun kann, um seinem eigenen Körper achtsam gegenüber zu treten. Das ist nicht immer so- aber ich sehe in meinem Umfeld und erlebe in der Gesellschaft eine Bewegung in Richtung Krebsaufklärung und Engagement, das ich mir anders nicht erklären kann.
Auf der anderen Seite schürt es auch beim Gegenüber Ängste. Ängste, denen man eigentlich ganz einfach ausweichen kann- nämlich, wenn man sich nicht mit dem Thema beschäftigt.
Wie gelingt es uns also über Krebs zu sprechen, ohne dass wir ihn verharmlosen, meiden, beschönigen?
Wie gelingt es uns, Menschen zu erreichen, ohne dass wir ihnen Angst machen? Wie können gesunde Menschen, von unseren Geschichten profitieren, ohne dass sie panikartig bei jedem Schnupfen beginnen an eine Krebserkrankung zu denken?
Ich verrate euch etwas: Wahrscheinlich wird es uns nicht gelingen.
Denn die Wahrheit ist, dass Krebs unglaubliche Angst macht. Nicht nur uns-, sondern allen.

Als ich selbst erkrankt bin, habe ich gedacht, dass ich nie wieder lachen werde.
Dass es mir trotzdem gelungen ist, habe ich Menschen zu verdanken, die offen über ihre Erkrankung gesprochen haben.
Das Leben mit Krebs ist unbestritten anders. Aber es ist lebenswert und ein Alltag mit Krebs ist möglich. Auch wir haben noch Wünsche, Träume und Lebenslust in uns.
Der Krebs nimmt uns Vieles und oft zwingt er uns, Umwege zu fahren und Ziele zu verlagern. Aber wir hängen an diesem Leben, das so kunterbunt und vielseitig ist, dass wir Unvorstellbares auf uns nehmen, um auf diesem Erdenball zu bleiben, zu leben, lieben und lachen.
Krebs macht uns nicht nur zu Patient*innen. Wir sind immer noch Menschen.
Und zwar solche, die -so gut es uns gelingen mag-, an einem Miteinander teilnehmen und dazugehören.

Ihr müsst jetzt sehr stark sein, denn ich kann leider nicht nur über Mut sprechen, positive Haltungen und über das zauberschöne Leben.
Krebs ist eine Krankheit, die lebensbedrohlich ist, und nicht immer endet sie mit einem Happy-End.
Ich weiß das, du weißt das, und die Mehrheit der Menschen wissen das auch.
Und genau deshalb erzähle ich nichts Neues, wenn ich euch sage, dass Krebs Angst macht- eine unglaubliche Angst.

Wie sollen wir also diesen Drahtseilakt bezwingen? Mut machen ohne Ängste zu schüren?
Kann uns das gelingen? Ich glaube, dass wir genau das versuchen sollten.

Indem wir Krebs beim Namen nennen und darüber sprechen, tragen wir zu etwas bei, das innerhalb der Gesellschaft und speziell über Social Media einen neuen Namen trägt: EMPOWERMENT.
Wir alle können mit unseren Geschichten aufklären und Menschen dazu bewegen, auf ihren Körper zu hören, wir können zeigen, dass man sein lachen wiederfindet und euch Mut machen, beim Arzt für euch einzustehen. Wir alle erinnern euch an Vorsorgen, Selbstabtastung, und ermutigen euch, auf euer Bauchgefühl zu hören.
Wir können Betroffenen Mut machen, sie miteinander vernetzen, wir können Menschen helfen und einzelne unterstützen.
Nichterkrankten können wir erzählen, wie es war, als dieser Knoten plötzlich alles veränderte, und geben ihnen mit, warum es wichtig ist sich abzutasten.

Wie sagte Natalie einst so schön? Wir alle sind Blogger4Charity-Crew.
Wir alle sind das, weil Netze Knoten haben, und wir alle sind einer davon.
Und am Ende ist es real- wir können keinen Krebs verhindern und Krebs kann jeden unverschuldet treffen.
Aber wisst ihr, was auch real ist? Wir sind gern mit dir, auch wenn wir krank- und du vielleicht gesund bist.
Sollte sich dran jemals etwas ändern, dann sei dir gewiss:
Deine Offenheit gegenüber dem Krebsthema hat dich auch zu einem Knoten in diesem Netz gemacht und kein Krebs kann daran etwas ändern.

Eure Paula

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